Ich wurde am 26.10.2008, einem Sonntag, im Mount Carmel Hospital in Dublin um 05:30 Uhr morgens geboren. Natürlich war meine Geburt sehr dramatisch, schliesslich bin ich doch ein geborener Schauspieler, und ich wollte halt den passenden Moment für meinen grossen Auftritt abwarten. Eigentlich sollte ich schon am 19.10.2008 das Licht der Welt erblicken, aber das war mir doch zu früh. Dr. Kelvin Boos entschied dann am Montag, den 20.10, dass die Geburt am kommenden Samstag eingeleitet werden soll. Diesen Termin konnte ich dann nicht absagen. Mama und Papa fuhren am Samstag, den 25.10.2008 sehr früh ins Hospital, um rechtzeitig um 9 Uhr morgens auf der Geburtsstation (3. Etage) zu sein. Zuerst mußten meine Eltern den Papierkram mit der deutschen Hebamme Andrea Id regeln. Frau Id kannte Oelde, weil sie dort selber 10 Jahre gewohnt hat. Zufälle gibt's...
Mama wurde erstmal an den Monitor angeschlossen und meine und Mamas Herztöne wurden überprüft. Etwas später gesellte sich dann auch Dr. Boos zu uns. Er injezierte Mama ein Gel, das das Hormon aktiviert, welches die Wehentätigkeit auslöst. Wir mussten dann alle noch eine Stunde warten, ehe wir dann die Station verlassen durften. Schließlich mußte sich Mama ausgiebig bewegen und sollte auch etwas essen. Nachdem man uns unser Zimmer gezeigt hatte, sind wir dann vom Hospital ins nahegelegende Einkaufszentrum gefahren, um im Cafe Suisse zu essen. Um 12:30 waren wir dann wieder zurück auf Station. Als man festellte, dass Mama's Wehen noch nicht sehr stark waren, riet man ihr, ein heisses Bad zu nehmen. Das war sehr angenehm und deshalb war ich zu diesem Zeitpunkt auch bereit, den nächsten Schritt zu wagen. Das Fruchtwasser platzte kurz nach 14 Uhr und ich war ganz schön aufgeregt. Hatte ich mich doch so gewehrt raus zu kommen. Jetzt gab es kein zurück mehr. Alle 2 Stunden wurde von der Hebamme geprüft wie weit der Muttermund schon geöffnet ist. Davor stand auch immer ein Toilettengang an. Um 21 Uhr gab es dann einen Schichtwechsel und wir lernten die irische Hebamme Phillyes Norton kennen, die mich auch auf die Welt gebracht hat. Bis 23 Uhr verlief alles nach Plan. Der Muttermund öffnete sich schön in 2 cm Schritten bis die 8 cm Marke erreicht war. Dann gab es auf einmal einen Stilllstand. Papa vermutet, dass ich Mama um diese Zeit getreten habe, denn Mama musste sich kurze Zeit vorher übergeben. Ich denke, sie hatte vorher einfach zuviel Wasser getrunken. Das mußte sie, denn die Hebamme meinte, sie sei dehydriert.
Das führte dazu, daß sie an einen Wehentropf angeschlossen und ihr Flüssigkeit intravenös zugeführt wurde. Ab diesem Zeitpunkt ging es ihr sehr schlecht, da die Wehentätigkeit ständig stärker wurde und sie kein Schmerzmittel (Epidural) nehmen wollte. Sie konnte nicht länger auf der Liege liegen bleiben, sondern mußte sich auf dem Pixieball setzen oder stehen. Die einzige Linderung brachte das Lachgas, das in Deutschland schon gar nicht mehr eingesetzt wird. Als dann endlich der Moment gekommen war wo der Muttermund 10 cm geöffnet war, zeigte die Uhr auch schon 04:00. Es war die Nacht in der die Uhren auf die Winterzeit umgestellt wurden.
Obwohl Mama schon gar keine Lust und Kraft mehr hatte, mußte Sie nun pressen. Papa half der Hebamme dabei, indem er das linke Bein festhielt. Wow, war das anstrengend für mich. Ich wollte doch noch nicht raus aus Mama's Bauch. Mir war noch nicht klar was die damit erreichen wollten. Langsam aber sicher rutschte ich immer tiefer den Geburtskanal runter. So ganz ohne Hindernisse verlief das aber auch nicht. Was soll ich Euch sagen - zwar war mein Köpfchen unten, aber das Gesicht lag bei mir oben und das ist nicht so gut. Ich kam so nicht um die Ecke. Meine Rettung war Dr. Kelvin Boos, bei dem Mama schon die ganzen Voruntersuchungen hat machen lassen. Er kam um ca. 6:15 ins Zimmer, nachdem er der Frau im Nachbarzimmer zur Geburt verholfen hatte. Der Doktor benutzte eine Saugglocke (engl. Ventose), mit der er mich am Köpfchen rauszog.
Dann wurde alles ganz hell und der Doktor schrie "There he is. He is lovely." Ich dachte nur "Alles wird jetzt anders werden. Mit der Ruhe ist er erstmal aus." Die Uhr zeigt 06:30 GMT (Sommerzeit), aber man mußte noch eine Stunde für die Zeitumstellung abrechnen. Na ja, den Rest könnt Ihr Euch auch schon denken. Ich wurde etwas sauber rerubbelt und sofort Mama auf den Bauch gelegt. Ich bekam auch sofort etwas zu essen. Mmmmhhh - lecker so eine Milch.
Nun begann mein Reise ins Leben....
Bis bald
Euer Julien